Standortvorteil Erneuerbare Energien?

Studie, veröffentlicht am 17.07.2023

Die Verfügbarkeit von Erneuerbaren Energien entwickelt sich zunehmend zum entscheidenden Standortvorteil für unternehmerische Investitionsentscheidungen. In der Folge stellt der konsequente Ausbau vor allem der Wind- und Solarenergie einen zentralen Beitrag zur Standortattraktivität und zum Erhalt bestehender Unternehmensstandorte dar. Der Norden Deutschlands schneidet im Vergleich zum Süden in der Bewertung deutlich besser ab. Zu diesem Ergebnis kommt die Studie „Standortvorteil Erneuerbare Energien?“ der Denkfabrik EPICO KlimaInnovation, dem Institut der deutschen Wirtschaft (IW) und der Stiftung KlimaWirtschaft.

Die Studie analysiert, vor welchen Herausforderungen Unternehmen bei der Umstellung auf Erneuerbare Energien stehen und welche regionalen Standorte in Deutschland für Unternehmen attraktiv sind. Die Umfrage umfasst 924 Unternehmen aus unterschiedlichen Branchen, darunter Maschinen- und Anlagenbau, Bauwirtschaft, IKT, Verkehr und Logistik sowie Unternehmen aus der Energie-Branche.

Die energieintensive Industrie in Süddeutschland weist einen hohen Bedarf an erneuerbarem Strom auf, um den bestehenden Industriestandorten eine nachhaltige Energieversorgung und damit eine erfolgreiche Transformation hin zur Klimaneutralität zu ermöglichen. Welcher allerdings durch die Solarenergiekapazitäten allein nicht abgedeckt werden kann. Der Süden ist deshalb auf den ambitionierten Zubau weiterer Windkraftanlagen an Land angewiesen, der bislang deutlich zu langsam umgesetzt wurde. Vor dem Hintergrund des schleppenden Ausbaus der Übertragungsnetze und der höheren Kapazitäten an Windkraftanlagen besitzt der Norden einen klaren Standortvorteil im Vergleich zum Süden.

Um die Strompreise zu senken und Versorgungssicherheit zu stärken, ist ein konsequenterer Ausbau in allen Regionen Deutschlands notwendig. Vielfach scheiterte der Ausbau in den vergangenen Jahren im Süden an zu hohen Abstandsregelungen und damit fehlenden Flächen, langwierigen Genehmigungen sowie unzureichenden einheitlichen Standards bei Artenschutzanforderungen.

Aus der Analyse und den Umfrageergebnissen ergibt sich klarer energie- und industriepolitischer Handlungsbedarf:

  • Den Standortfaktor Erneuerbare Energien stärken: Die Erneuerbaren Energien müssen konsequent deutschlandweit ausgebaut werden, ebenso wie die zugehörigen Leitungs-, Speicher- und Importinfrastrukturen, unter anderem für Wasserstoff.
  • Hindernisse der Transformation beseitigen: Die Anpassung von Geschäftsmodellen sollte gezielt mit beschränkten Klimaschutzverträgen unterstützt und die Anreize für Flexibilität auf allen Ebenen verbessert werden.
  • Wettbewerbsfähigkeit erhalten: Bestehende regionale Standortvorteile im Bereich Fachkräfte oder Transportinfrastruktur müssen gestärkt und hier identifizierte Nachteile hinsichtlich erneuerbarer Energieversorgung adressiert werden.

„Die Wirtschaft verteilt Bestnoten an Norddeutschland und sieht die süddeutschen Bundesländer beim Ausbau der Windenergie im Zugzwang. Wenn nicht schnell gehandelt wird, verliert Süddeutschland seinen Nimbus als attraktiver Industriestandort.“

Sabine Nallinger, Vorständin Stiftung KlimaWirtschaft

Ansprechperson

Aline de la Sauce

Referentin Inhaltliche Entwicklung

E-Mail: aline.delasauce@klimawirtschaft.org
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