Unternehmensumfrage: Elektrifizierung seit Energiekrise priorisiert

Pressemitteilung, veröffentlicht am 15.06.2026

Unternehmen sehen Elektrifizierung weltweit als Chance für mehr Resilienz und stabile Energiepreise. Das zeigt eine heute veröffentlichte Unternehmensumfrage von dem Thinktanks E3G in Koopertion mit der Stiftung KlimaWirtschaft.

• 91 Prozent der international befragten Unternehmen sehen die Elektrifizierung als Garant für mehr Energiesicherheit
• In Deutschland erwarten 83 Prozent der befragten Unternehmen, dass eine Elektrifizierung der eigenen Betriebsabläufe die Energiekosten senkt
• 71 Prozent der Befragten in Deutschland sieht Nachholbedarf beim Stromnetzausbau

Berlin, 15. Juni 2026. Weltweit sehen Unternehmen die Elektrifizierung als Chance für mehr Wettbewerbsfähigkeit und eine sichere Versorgung mit sauberer Energie zu stabilen Preisen. Auch in Deutschland betrachten viele Führungskräfte den Umstieg auf strombasierte Lösungen als Vorteil für ihre Unternehmen. Das zeigt eine heute veröffentlichte Umfrage unter mehr als 1.900 Führungskräften aus 18 Ländern, die von dem Thinktanks E3G und der We Mean Business Coalition beauftragt und in Zusammenarbeit mit u.a. der Stiftung KlimaWirtschaft und Agora Energiewende umgesetzt wurde.

Zur Umfrage: https://powering-up-business-poll.com/

Elektrifizierung als Sicherheitsanker in Krisenzeiten
Weltweit sehen 91 Prozent der Befragten die Elektrifizierung als Garant für mehr Energiesicherheit. 79 Prozent geben an, dass die geopolitische Unsicherheit die betriebsinterne Umstellung auf strombasierte Technologien deutlich dringlicher macht. Die Umfrage wurde im April 2026 vor dem Hintergrund des Kriegs im Nahen Osten und der Energiekrise durchgeführt. Die Ergebnisse deuten darauf hin, dass die geopolitische Instabilität den Elektrifizierungstrend der Wirtschaft massiv beschleunigt.

Deutsche Unternehmen wollen Hemmnisse überwinden
In Deutschland erwarten 83 Prozent der befragten Unternehmen, dass eine Elektrifizierung eigener Betriebsabläufe die Energiekosten senkt. 78 Prozent geben an, dass sich dadurch auch ihre Wettbewerbsfähigkeit steigern würde. Hohe Strompreise und die Kosten des Netzausbaus bremsen diesen Prozess derzeit jedoch noch aus. So bleibt das deutsche Stromsystem nach Ansicht von 71 Prozent der Befragten bisher hinter den Anforderungen der Industrie zurück. Als Gründe für fehlende Investitionen nennen 66 Prozent wechselnde politische Kurse und Änderungen der Förderkulisse. Dass Deutschland im Rennen um eine elektrische Zukunft ins Hintertreffen zu geraten droht, geben ganze 70 Prozent an. In Deutschland haben 106 Führungskräfte an der Umfrage teilgenommen.

EU: Wirtschaft will ambitioniertes Elektrifizierungsziel
Die Forderungen nach einer schnelleren Elektrifizierung aus der Wirtschaft werden immer lauter. Im Rahmen der diesjährigen Klimakonferenz soll ein weltweites Elektrifizierungsziel von 35 Prozent bis 2035 verhandelt werden. Mit Blick auf den anstehenden Electrification Action Plan der EU forderte ein Zusammenschluss von über 70 führenden Unternehmen und Verbänden kürzlich ein Ziel von 50 Prozent bis 2040. Schätzungen gehen davon aus, dass mit den bereits heute verfügbaren Technologien bis zu 75 Prozent des weltweiten Energiebedarfs durch Elektrizität gedeckt werden könnten.

Sabine Nallinger, Vorständin Stiftung KlimaWirtschaft:
„Deutsche Unternehmen wollen weg von fossilen Importabhängigkeiten und hin zu sauberer Energie. Sie haben verstanden, dass Erneuerbare und die Elektrifizierung der Schlüssel zu wettbewerbsfähigen Preisen und echter Versorgungssicherheit sind. Aktuell bremsen in Deutschland jedoch hohe Energiekosten, ein schleppender Netzausbau und regulatorische Unsicherheiten den Umstieg auf strombasierte Prozesse aus – ob in Industrie und Handel oder bei Haushalten, die auf E-Autos und Wärmepumpen wechseln wollen. Der Electrification Action Plan der EU und ein möglichst ambitioniertes Elektrifizierungsziel sind zentrale Voraussetzungen, um im globalen Elektro-Rennen nicht den Anschluss zu verlieren. Weiter gilt es in Berlin und Brüssel alle Möglichkeiten auszuschöpfen, um Strom langfristig gegenüber fossilen Energien attraktiver zu machen, etwa über eine Senkung der Stromsteuer für alle.“

Julia Bläsius, Deutschland-Direktorin von Agora Energiewende:
„Die Unternehmen in Deutschland sehen die globalen Trends hin zu strombasierten Prozessen und sprechen sich klar für einen ambitionierten Elektrifizierungs-Kurs aus. Der Umstieg von Kohle, Öl und Erdgas auf elektrische Lösungen stärkt nicht nur die Wettbewerbsfähigkeit der Unternehmen – er ist ein Grundpfeiler für Technologieführerschaft und für eine klimaneutrale Wirtschaft. Die Umfrageergebnisse zeigen zudem, dass politisches Hin und Her in der Energiepolitik Innovation und Investitionen hemmt. Damit schicken die deutschen Unternehmen ein deutliches Signal an die Bundesregierung: Sie muss den zügigen Ausbau von Erneuerbaren Energien und Stromnetzen weiter vorantreiben, um attraktive Strompreise zu sichern und so den Umstieg auf strombasierte Prozesse zu ermöglichen. Ein verlässlicher Förderrahmen, zum Beispiel über CO₂-Differenzverträge, muss außerdem dazu beitragen, die Investitions- und Kostenrisiken in der Transformationsphase abzusichern.“

Nick Mabey, Geschäftsführer von E3G:
„Die Ergebnisse zeigen weltweit einen starken Konsens unter Führungskräften in allen großen Volkswirtschaften. Unternehmen sind sich einig, dass der einzige Weg, in einer globalen Öl- und Gaskrise wettbewerbsfähig zu bleiben, darin besteht, den Energieverbrauch durch saubere Energie zu elektrifizieren. Entscheidungsträger, die einen Weg aus dieser Krise suchen, sollten sich diese Botschaft zu Herzen nehmen und die von der Wirtschaft identifizierten Hindernisse für den Fortschritt beseitigen, angefangen beim Ausbau der Netzkapazitäten.“

Pressekontakt

Simon Vogelsang

Sprecher für Presse- und Öffentlichkeitsarbeit

E-Mail: simon.vogelsang@klimawirtschaft.org

Telefon: +49 (0)176 3443 9600

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