Pressemitteilung, veröffentlicht am 25.02.2026
Das NKWS der Bundesregierung wurde erneut verschoben. Somit gibt es wieder keinen verlässlichen Rahmen für Investitionen und internationale Wettbewerbsfähigkeit.
Berlin, 25. Februar 2026. Mit dem Aktionsprogramm zur Umsetzung der Nationalen Kreislaufwirtschaftsstrategie (NKWS) wollte die Bundesregierung einen verlässlichen Rahmen für Investitionen und internationale Wettbewerbsfähigkeit schaffen. Das Aktionsprogramm wurde nun erneut verschoben.
Sabine Nallinger, Vorständin Stiftung KlimaWirtschaft:
„Die Kreislaufwirtschaft ist ein branchenübergreifendes Zukunftsprojekt, das unsere Resilienz stärkt und wichtige Ressourcen für die Wirtschaft und deren Transformation bereitstellt. Dass das Aktionsprogramm erneut verschoben wurde, ist ein fatales Signal – für Unternehmen, Investitionen und unseren Anspruch, Gestalter statt nur Getriebener der Kreislaufwirtschaft zu sein. Jetzt braucht es Tempo: Die Bundesregierung muss das Programm zügig nachholen und die nationalen Spielräume bei Finanzierung und Vergabe konsequent nutzen – damit aus ambitionierten Zielen endlich skalierbare Geschäftsmodelle werden.“
Die erneute Verschiebung verschärft bestehende Probleme. Die EU setzt mit Vorgaben wie der Verpackungsverordnung, der erweiterten Herstellerverantwortung oder der Ökodesignrichtlinie neue Maßstab. Die nationale Politik reagiert lediglich. Der Standort droht seine Vorreiterrolle in Brachen wie der Abfallwirtschaft zu verspielen. Mit einem ambitionierten Aktionsprogramm hätte man das ändern können. Deshalb fordert die Stiftung:
1. Öffentliche Vergabe als Leitmarkt nutzen
Die öffentliche Beschaffung ist der größte ungenutzte Hebel. Lebenszykluskosten müssen verbindlich umgesetzt werden. Unternehmen benötigen dafür eine einheitliche Methodik, um Ökobilanzen rechtssicher zu erstellen und anrechnen zu lassen. Unterschiedliche Länderregelungen – etwa zu Asphaltrecyclingquoten – blockieren derzeit den Einsatz von Sekundärmaterial, wodurch große Potentiale auf der Straße liegen bleiben.
2. Förderungen müssen Skalierung ermöglichen
Aktuell sind viele Förderprogramme kleinteilig, komplex und wirtschaftlich unattraktiv. Sinnvoll wären marktweite Instrumente, wie zum Beispiel eine Mehrwertsteuersenkung für zirkuläre Produkte und Lösungen mit hohem Rezyklatanteil.
3. Sekundärrohstoffe verfügbar machen
Unternehmen brauchen einheitliche End-of-Waste-Kriterien in Europa. Heute gelten Sekundärbaustoffe in einem Mitgliedstaat als Produkt, im anderen als Abfall. Das hemmt den Einsatz, etwa im Straßenbau, wo Primärrohstoffe durch Schlacken ersetzt werden könnten. Die Ersatzbaustoffverordnung deckt das derzeit aber noch nicht ab.
4. Gebäuderessourcenpass umsetzen
Der Gebäuderessourcenpass ist in der Nationalen Kreislaufwirtschaftsstrategie (NKWS) vorgesehen, bislang jedoch nicht rechtlich verbindlich ausgestaltet. Viele Unternehmen haben sich bereits auf seine Einführung eingestellt und in entsprechende Prozesse investiert. Da bisher jedoch klare Vorgaben fehlen, werden Investitionen durch rechtliche Unsicherheiten gehemmt.
E-Mail: simon.vogelsang@klimawirtschaft.org
Telefon: +49 (0)176 3443 9600
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