KlimaWirtschaft im Dialog

Privatwirtschaftliche Leitmärkte für grünen Stahl

Am 11. Juni 2026 veranstaltete die Stiftung KlimaWirtschaft einen branchenübergreifenden Austausch zwischen Erzeugern und potenziellen Abnehmern von CO2-reduziertem Stahl. Ausgehend vom Beispiel der Verknüpfung von Flottengrenzwerten und dem Einsatz von CO2-reduziertem Stahl in der Automobilindustrie wurden mögliche Ansatzpunkte zur Etablierung weiterer privatwirtschaftlicher Leitmärkte für CO2-reduzierten Stahl diskutiert.

Der Austausch startete mit zwei Kurzimpulsen von Malte Küper, Senior Economist für Energie- und Klimapolitik am IW Köln, und Dr. Anna Leipprand, Co-Leiterin Transformative Industriepolitik am Wuppertal Institut zur Rolle von Leitmärkten. Gesprochen wurde zur Industrietransformation und der Frage, ob die Verknüpfung von Flottengrenzwerten und Grünstahleinsatz in der Automobilindustrie als Blaupause für privatwirtschaftliche Leitmärkte in weiteren Anwendungsfeldern dienen kann. In der anschließenden Diskussion wurde deutlich, dass es für den verstärkten Einsatz von emissionsreduziertem Stahl in preissensitiven Märkten ein regulatorisches Level Playing Field oder Kompensationsmechanismen braucht.

Geoökonomie: Webinare mit dem Auswärtigen Amt und European Council on Foreign Relation

Vor dem Hintergrund wachsender geopolitischer Spannungen, Zollkonflikte und Kriege fand am 5. Mai der virtuelle Roundtable „Globale Voraussetzungen für Klimaschutz in Europa: Unternehmerischer Klimaschutz im Kontext von geopolitischen Spannungen und internationalem Wettbewerbsdruck“ statt. Aufbauend auf zwei spannenden Impulsen von Oliver Rentschler (Leiter Abteilung Geoökonomie, Auswärtiges Amt) und Dr. Janka Oertel (Distinguished Policy Fellow, European Council on Foreign Relations) diskutierte die Runde in vertraulichem Rahmen darüber, wie Deutschland im Kontext geopolitischer Spannungen und eines zunehmenden internationalen Wettbewerbsdrucks seine industrielle Wettbewerbsfähigkeit schützen und die begonnene Transformation zu einer klimaneutralen Wirtschaft erfolgreich weiterverfolgen kann.

Transformation finanzieren mit dem IW Köln und Fiscal Future

Welche Finanzpolitik braucht es, damit öffentliche Mittel und privates Kapital gemeinsam eine zukunftsfähige Wirtschaft ermöglichen? Zuammen mit Tobias Hentze vom Institut der deutschen Wirtschaft und Carolina Monika Ortega Guttack von FiscalFuture hat die Stiftung diese Frage am 12. Mai in einem Webinar diskutiert. Dabei gab es einen breiten Konsens, dass verlässliche Investitionspfade und eine engere Verzahnung von öffentlichen und privaten Mitteln zentrale Hebel sind, um die Transformation erfolgreich zu gestalten. Schnellere Genehmigungsverfahren, etwa durch digitalisierte Prozesse und Verwaltungskapazitäten, können dabei helfen, mit dem Investitionstempo der Privatwirtschaft Schritt zu halten. Auch eine kohärente Finanzierungsarchitektur öffentlicher Ausgaben würde dazu beitragen, die Hebelwirkung zu verbessern, da eine gesicherte Finanzierung die Planbarkeit bei Unternehmen erhöht.

Energiepolitischer Branchendialog

Die aktuelle Energiekrise zeigt deutlich: Ohne wettbewerbsfähige Strompreise, kein attraktiver Wirtschaftsstandort. Was also kann getan werden, um Energiekosten und Abhängigkeiten in Deutschland strukturell zu verbessern? Darüber haben wir als Stiftung Klimawirtschaft mit Vertretern aus der Energiewirtschaft und Industrie gesprochen. Die energiepolitische Debatte ist derzeit unter Druck, da mit dem EnWG, EEG und laufenden Prozessen der BNetzA einige regulatorische Rahmenbedingungen neu ausgerichtet werden sollen. Die anstehenden Änderungen berühren dabei zentrale Geschäftsmodelle von Erzeugern, Netzbetreibern, Finanzierern und Abnehmern gleichermaßen.

Als Stiftung ist für uns klar: Nur Erneuerbare Energien schaffen auf Dauer günstige Strompreise, Resilienz und einen wesentlichen Beitrag zum Klimaschutz. Noch aber sind die Kosten des Systems zu hoch. Wie gelingt es, die Kosten zu senken und fair zu verteilen, ohne von den Klimazielen abzurücken? Unser energiepolitische Branchendialog hatte das Ziel, verschiedene Perspektiven zur Energiewende an den Tisch zu bringen, um konkrete und kompromissfähige Impulse für die energiepolitische Agenda zu entwickeln. Mit dabei waren Vertreter von Alterric, EnBW, Vattenfall, Green Planet Energy eG, Deutsche Energie-Agentur dena, Marktoffensive Erneuerbare Energien, DIW Berlin, Amprion, TenneT, Heidelberg Materials, Wacker Chemie, Salzgitter AG, Papier- und Kartonfabrik Varel, STRABAG, DEUTSCHE ROCKWOOL, Messer SE & Co. KGaA, BNP Paribas Deutschland und der GLS Bank.

Treffen mit Rita Schwarzelühr-Sutter: Wie Investitionen anreizen für die Industrietransformation?

Viele Unternehmen haben sich längst auf dem Weg zur Klimaneutralität gemacht haben und bauen hier Business-Modelle der Zukunft auf. Derzeit aber stehen zentrale Errungenschaften des unternehmerischen Klimaschutzes unter Druck. Die Folge? Etablierte Technologieführer geraten ins Hintertreffen, bereits getätigte Zukunftsinvestitionen werden entwertet, geplante Modernisierungsprojekte stehen zunehmend zur Disposition.

Vor diesem Hintergrund diskutierten Vertreter:innen der Stiftung KlimaWirtschaft und ihrer Förderunternehmen gemeinsam mit der Parlamentarischen Staatssekretärin im BMUKN, Rita Schwarzelühr-Sutter, zur Frage, wo die Gelingensbedingungen für Klimaschutz und Wettbewerbsfähigkeit in der Industrie liegen. Im Austausch konnten wir deutlich machen:

  • Unternehmen wollen klaren industriepolitischen Rahmen: Klug ausgestaltete politische Vorgaben können Innovationen anstoßen, Investitionen mobilisieren und Märkte etablieren.
  • Ganzheitliche Industriepolitik als Erfolgsfaktor: Wirksame Instrumente wie Klimaschutzverträge, Leitmärkte oder der Emissionshandel entfalten ihre volle Kraft nur im effizienten Zusammenspiel. Wird ein Baustein geschwächt oder entfernt, leidet die Funktionsfähigkeit des gesamten Systems.
  • Attentismus schafft kein Wachstum: Wenn die Unsicherheit wächst, werden Investitionen aufgeschoben oder ganz verworfen. Ohne klare industriepolitische Leitplanken, bleiben daher selbst die stärksten Investitionsanreize wirkungslos.
  • Internationale Wettbewerber schlafen nicht: Während Deutschland diskutiert, verfolgen wichtige Wettbewerber ihre industriepolitischen Strategien mit Klarheit, Konsequenz und langfristiger Perspektive. Deutschland droht so zunehmend den Anschluss an zentrale Zukunftsmärkte zu verlieren.